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Grumbeere: „Unser Sickinger Gold“

Aus der Geschichte der Grumbeere - Nachtschattengewächs erobert die Sickinger Höhe

Grumbeere oder Kartoffeln? Für die Pfälzer ist ihre hoch geschätzte Kartoffel in der Mundartsprache einfach nur die Grumbeer. Sie gehört an den meisten Tagen in der Woche in den verschiedensten Formen der Zubereitung auf den Essenstisch. Nur so fühlt sich Gaumen und Magen eines echten Pfälzers auch richtig wohl.

Wie diese Bodenfrucht wirklich aus Südamerika zu uns kam, ob durch die Spanier oder die Engländer, ist bis heute ungeklärt. Ihr Weg in unsere Heimat ist jedoch geschichtlich belegt.

Der spanische König Philip II. hat den Auftrag erteilt, Kartoffeln nach Europa zu bringen. Sie wurden 1573 von Kolumbien aus abgeschickt. Der König schenkte dem Papst in Rom einige Knollen, der seinerseits wieder einige einem Kardinal in den Niederlanden sendete, von wo aus sie über Belgien zu dem Botaniker Clusius gelangten, der unter Kaiser Maximilian II. Betreuer der kaiserlichen Gärten von Wien und Frankfurt war. So landete die gute Grumbeer nicht auf den Feldern unserer Bauern, sondern sie wurde eine botanische Rarität in den Gärten von Fürsten, Geistlichen und Gelehrten, ohne dass jedoch ihr besonderer Wert als Nahrungsmittel erkannt wurde. Wegen ihrer schönen Blüte wurde sie in den herrschaftlichen Gärten und Parks bewundert.

Um zu einem feldmäßigen Anbau der Grumbeer zu kommen, bedurfte es erheblicher Anstrengungen durch Friedrich den Großen. Er war von dem Wert der Kartoffel überzeugt. Er führte einen jahrzehntelangen, verbissenen Kampf, um die Bauern von der Nützlichkeit dieser neuen Feldfrucht zu überzeugen. Der König bediente sich dabei einer List. Er legte große Kartoffelfelder an und ließ sie von seinen Grenadieren bewachen, allerdings nur zum Schein. Die Bauern schlichen sich heimlich nachts auf die Felder, um zu schauen, was dort so streng bewacht wurde. Körbeweise wurden dann die wertvollen Kartoffeln gestohlen und auf den eigenen Feldern angepflanzt. Somit hatte der König sein Ziel erreicht.

Es ist überliefert, dass bereits 1723 bei der Errichtung einer neuen Pfarrstelle in Hinterweidenthal der Pfarrer zwei kleine Stücke zum Anbau von „Grundbieren“ und Hanf erhielt. Das Kirchenbuch von St. Julian verrät uns, dass zu Anfang des Jahres 1720 im dortigen Kirchspiel die ersten „Grundbieren“ angepflanzt wurden, die von schlechter Gattung waren. Über die Einführung der Kartoffel in der Herrschaft Sickingen werden wir durch das Amtsrelationsbuch oder Copialbuch von Weselberg unterrichtet.

Im Jahre 1732 richtete der katholische Pfarrer von Horbach de Fredy auch im Namen der Pfarrer Josef Müller von Kirchenarnbach und Bann und Johannes Felz von Mühlbach und Labach eine Bittschrift an seine Herrschaft, den Freiherrn von Sickingen-Hohenburg, dafür zu sorgen, dass die Untertanen auch den Zehnten an „Grundbiren“ verabreichen, wie es in der ganzen Nachbarschaft üblich sei. Die Gemeinde Weselberg, Kirchenarnbach und Labach gehören heute zur Verbandsgemeinde Wallhalben, zur damaligen Zeit waren sie dem Herrschaftsgebiet der Sickinger unterstellt.

Der für die Beantwortung der Bittschrift zuständige Amtmann lehnt diese Forderung der Pfarrer ab und begründet seine Stellungnahme mit Attesten und Berichten des Oberamtes Lautern von 1718 und 1719, das „an allen Orthen niemalen der geringsten Zehnten davon entrichtet worden sei“. Diese Bodenfrucht soll nach seiner Aussage vor ungefähr 30 Jahren bei den aller schwersten Kriegszeiten durch einen Schweizer in die Gegend von „Lautern“ gebracht worden sein. Demnach wurde die „Grumbeer“ bei uns um 1690, bei der Wiederbesiedlung unseres Gebietes nach dem Großen Krieg, eingeführt. Der Amtmann von Lautern berichtet, dass schon 1719 Vieh, besonders Schweine, mit Kartoffeln gefüttert wurden.

Die wertvolle Knolle hat mit dazu beigetragen, Hungersnöte zu verdrängen, die im Mittelalter häufig waren, denn Missernten waren an der Tagesordnung. Noch schwieriger war für unsere Vorfahren, Nahrungsmittel gut zu überwintern. Die „Grumbeer“ war hierzu bestens geeignet, da sie in dunklen, frostfreien Erdlöchern oder Felsenhöhlen bis ins Frühjahr hinein als Nahrungsmittel mit wichtigsten Mineralstoffen haltbar war.

Mit der Entdeckung der Alkoholgewinnung aus der „Grumbeer“ erlebte sie eine zusätzliche Bedeutung auf unserer Sickinger Höhe. Im Volksmund hat sich bis heute erhalten, dass die Sickinger Schweine die Urväter für die Einführung des Schnapsbrennens seien. Die Kunst der Alkoholgewinnung war in unserer Region so ausgeprägt, dass das Oberamt Lautern das Branntweinbrennen aus Grundbirnen verboten hat. Die sickingische Herrschaft war um den Zerfall der Moral ihrer Untertanen sehr besorgt. Es galt zu jener Zeit ein geflügeltes Sprichwort: „Im Delirium ist das Leben ein Pläsierium!“ Alte Bauernweisheiten sagen, dass das Wertvollste der Knolle unter der Schale liege und somit beim Schälen verloren ginge. Ernährungsphysiologen von heute wissen es jedoch genauer, denn nach ihren Untesuchungen sind die Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe in der gesamten Kartoffel verteilt. Ein Blick hinter die unscheinbare Fassade der Kartoffelknolle hat gezeigt, dass sie ein echter Vitamin- und Mineralstoffspender ist.

Willi Hack, Heimatbuch der Verbandsgemeinde Wallhalben, 1994